Mit dem Härteausgleich sparen Arbeitnehmer Steuern bei gewerblichen oder freiberuflichen Nebeneinkünften

Die Anwendungsvoraussetzungen

Wichtig ist zunächst, dass Sie als Arbeitnehmer Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit z.B. in Form von Stundenlohn, Festlohn, Gehalt oder jeder anderen Entlohnungsform steuer- und sozialversicherungspflichtig beziehen. Zu diesen Einkünften zählen auch Betriebs- und Werksrenten sowie Beamtenpensionen, auch wenn eventuell im Einzelfall wegen der geringen Höhe keine Lohnsteuer abzuführen ist.
Wenn Sie zusätzlich Nebeneinkünfte erzielen, die nicht dem Lohnsteuerabzug unterliegen und die nicht über dem Betrag von 410 € im Jahr liegen, bleiben diese einkommensteuerfrei. Solche Nebeneinkünfte können sein z.B. der Gewinn aus einem kleinen Gewerbebetrieb wie einem  online-Handel, mit eigenem Webshop oder über einen Provider wie Amazon.  Auch der nebenberufliche Verkauf von Wellness-, Fitness- und Kosmetikprodukten, Handel mit Nahrungsergänzungsmittel oder  Provisionen aus Versicherungsvermittlungen nach Feierabend führen zu solchen Nebeneinkünften. Ebenso der nebenberufliche Verkauf von Bildern von Hobbyfotografen über fotolia oder andere Bilddienste gehört zu den begünstigten Nebeneinkünften.  Nebeneinkünfte können auch Gewinne aus einer nebenberuflichen schriftstellerischen Tätigkeit, als
Maler oder Bildhauer und andere künstlerische Tätigkeiten sein.

Unter Nebeneinkünfte fallen in diesem Zusammenhang nicht die Minijobs bis 450 € monatlich. Die versteuert der Arbeitgeber. Sie zählen auch nicht als Arbeitslohn im Sinne dieser Befreiungsmöglichkeit.

So werden die Einkünfte aus den Nebentätigkeiten ermittelt

Die meisten Arbeitnehmer mit Nebeneinkünften gehen von steuerfreien Einnahmen bis 410 € aus. Das stimmt aber so nicht. Gemeint sind Einkünfte bis 410 €.
Zur Ermittlung von Einkünften gehört auch, die Kosten von den Einnahmen abzuziehen, die aufgewendet werden, um die Einnahmen zu erzielen.
Da diese Nebeneinnahmen in der Regel entweder gewerbliche oder freiberufliche Betriebseinnahmen sind, können zur Ermittlung der Einkünfte noch die Betriebsausgaben abgezogen werden. Diese sind den
Werbungskosten der Arbeitnehmer vergleichbar, nur oft umfangreicher, weil ein Gewerbetreibender oder Freiberufler mehr Kosten selbst tragen muss als ein Arbeitnehmer.  Als Kosten in Frage kommen z.B.  der Wareneinkauf, Mailing- und Anzeigenkosten, Kosten einer Homepage, Fahrtkosten, Abschreibung von Büromöbeln und Computern, eben alle Kosten, die mit der nebenberuflichen Tätigkeit zusammen hängen.
Lange Rede, kurzer Sinn. Hier ein Beispiel: Wenn Sie nebenberuflich  1.000 € einnehmen, aber z.B. für Kundenbesuche, Wareneinkauf und -auslieferung 600 € an Kosten haben, betragen Ihre Einkünfte nur 400 € und liegen also unter dem genannten Freibetrag von 410 €.

Der erweiterte Härteausgleich:

Aber auch wenn Ihre nebenberuflichen Einkünfte über 410 € liegen müssen Sie nicht unbedingt Steuern dafür zahlen. Es gibt nämlich zusätzlich den erweiterten Härteausgleich.

Der funktioniert so: Betragen Ihre Nebeneinkünfte mehr als 410 Euro, aber weniger als 820 Euro im Jahr, wird die Besteuerung durch den erweiterten Härteausgleich abgemildert. Dabei werden Nebeneinkünfte im Ergebnis um den Betrag gekürzt, um den sie niedriger als 820 Euro sind. Im Verfahren der Einkommensbesteuerung sieht das zwar anders aus, aber es führt in der Regel zum gleichen steuerlichen Ergebnis.

Bei der Berechnung des zu versteuernden Einkommens wird der Gewinn in voller Höhe wie ermittelt angesetzt. Am Ende der Steuerberechnung wird dann der Härteausgleich als Kürzungsbetrag abgezogen.

Die nachstehende Tabelle zeigt eine grobe Staffelung des Härteausgleichs in 50 €-Schritten. In der Steuerveranlagung wird dieser aber auf einen Euro genau gerechnet.

Nebeneinkünfte

Härteausgleich

Zu versteuern

410,00 €

- 410,00 €

0,00 €

450,00 €

- 370,00 €

80,00 €

500,00 €

- 320,00 €

180,00 €

550,00 €

- 270,00 €

280,00 €

600,00 €

- 220,00 €

380,00 €

650,00 €

- 170,00 €

480,00 €

700,00 €

- 120,00 €

580,00 €

750,00 €

- 70,00 €

680,00 €

800,00 €

- 20,00 €

780,00 €

820,00 €

0,00 €

820,00 €


So nutzen Sie beide Formen des Härteausgleichs für Ihre Steuerersparnis

Daraus lernen wir, dass es Sinn macht, schon unterjährig den Gewinn aus den Nebeneinkünften laufend zu überwachen, damit man gegen Jahresende sieht, ob man kurz unter der Grenze von 410 € oder 820 € liegt. Will man nicht über die Freitreppe kommen, schreibt man seine ausstehenden Rechnungen an die Kunden so, dass diese erst im nächsten Jahr gezahlt werden. So bekommt man für das laufende Jahr noch den ganzen oder den erweiterten Härteausgleich.
Eine andere Möglichkeit wäre, noch Betriebsausgaben in das laufende Jahr vorzuziehen, um den Gewinn zu drücken. Dazu könnte man z.B. noch geringwerte Wirtschaftsgüter mit einem Wert bis zu 410 € anschaffen, wie ein günstiges Tablet oder Smartphone, eine Bildbearbeitungssoftware für die Warenpräsentation im online-shop oder Schreibtisch und Bürostuhl. Möglich ist aber auch, Ware auf Vorrat zu kaufen oder Büromaterial,  je nach dem, was Anfang des nächsten Jahres geplant  war.

Eine kleine Rechenübung vor dem Jahresende lohnt sich also, frei nach dem Motto: WER SCHREIBT, DER BLEIBT!