Die Situation von Indie-Autoren
Wenn man den Aussagen im Internet über Indie-Autoren glauben darf - und ich persönlich tue es aus eigener Erfahrung - starten die allermeisten Indie-Autoren nebenberuflich und erwirtschaften zumindest anfangs nur geringe Honorare. Diese decken in der Regel weder die Arbeit noch die Entbehrungen der Schriftstellerei ab.
Da möchte man natürlich nicht auch noch Steuern von diesem hart verdienten Brosamen zahlen.
Was liegt also näher als dem Finanzamt so viele Kosten wir möglich nachzuweisen, um den steuerpflichtigen Ertrag auf ein Minimum zu drücken. 
Ich will hier nicht auf die Abschreibung der Arbeitsgeräte wie Schreibtisch, Computer und Drucker eingehen, auch nicht auf Internetkosten und Büromaterial. Das tue ich ein anderes Mal. Heute sind die Fahrtkosten mein Thema.

Das sind die steuerlichen Rahmenbedingungen
Auch im Internetzeitalter müssen Sie sich noch von Ort zu Ort bewegen. Wenn dies für Zwecke geschieht, die ihre Ursachen in der schriftstellerischen Tätigkeit haben, können Sie die Kosten dafür Steuer mindernd absetzen. Das ist sogar schon möglich, wenn Sie in dem Jahr, in dem Ihnen die Kosten entstehen, noch gar keine Honorare einnehmen, sondern noch in der Vorbereitungsphase sind.
Die Kosten stellen dann vorweg genommene Betriebsausgaben dar. Sie müssen nur dem Finanzamt mit Ihrer Steuererklärung glaubhaft machen, dass Sie daran arbeiten, Honorare zu erzielen. Das kann z.B. dadurch geschehen, dass Sie dem Finanzamt den Link zu Ihrer Autoren-Homepage oder in Idealfall zu Ihrem ersten Ebook mitteilen.
Da Sie als Newbie in der Autorengilde mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht über einen überwiegend für diesen schönen Beruf genutzten PKW verfügen, sondern nutzen Ihren privaten PKW für die notwendigen schriftstellerisch veranlassten Fahrten. Dieser bleibt weiterhin in Ihrem Privatvermögen. Die Zuordnung zum Privat- oder Betriebsvermögen hat in den Einkommensteuerrichtlinien (http://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Steuern/Steuerarten/Einkommensteuer/einkommensteuer.html) festgelegte Voraussetzung und steuerrechtliche Folgen.  Beide Zuordnungen  haben Vor- und Nachteile, die hier aber nicht von Bedeutung sind.

Die Zuordnung des bisher privaten PKW zum Betriebsvermögen ist bei Indie-Autoren - jedenfalls am Anfang - so gut wie ausgeschlossen. Trotzdem haben Sie die Möglichkeit, schriftstellerische Fahrtkosten in Ihrer Gewinnermittlung als Betriebsausgaben abzusetzen.

Diese Möglichkeiten haben Sie

Ist der PKW Privatvermögen, sieht die Finanzverwaltung zwei Möglichkeiten für die Berechnung der Gewinn mindernd anzusetzenden  Fahrtkosten vor.

1. Der Ansatz der tatsächlichen Kosten:
Das ist eine aufwändige Angelegenheit. Sie müssen nämlich über das ganze Jahr die Belege für alle Kosten sammeln, die durch die Nutzung des PKW entstehen. Diese können sein: Leasingkosten, Finanzierungskosten, Steuern und Versicherung, Betriebsstoff, Reparaturkosten, Ersatz- und Verschleißteile usw.. An die Stelle der Leasingkosten tritt bei einem gekauften PKW die Abschreibung, die sich durch Verteilung des Kaufpreises auf die typisierte Nutzungsdauer von 6 Jahren  ergibt. 
Weiterhin müssen Sie die Kilometerstände laut Tacho am Neujahrstag zu Beginn des Jahres und an Sylvester aufschreiben. Die Differenz sind die insgesamt im Jahr gefahrenen Kilometer. Unterjährige Kilometerstände sollten Sie anhand der Werkstattrechnungen nachweisen, weil das Finanzamt Daten, die aus Unterlagen von dritter Seite ersichtlich sind, für glaubhafter hält als selbst aufgeschriebenen. Deshalb achten Sie in der Werkstatt darauf, das wirklich der richtige Kilometerstand auf der Rechnung vermerkt wird..

Der Rest ist ein einfacher Dreisatz. Teilen Sie die Summe aller Kosten durch die gefahrenen Kilometer. Das Ergebnis sind die Kosten pro gefahrenem  Kilometer in Euro. So kommen Sie bei Kosten in Höhe von 7.500,00 € und 15.000 gefahrenen Kilometer auf 0,50 € pro Kilometer.
Nun multiplizieren Sie diesen Wert mit der Zahl Ihrer schriftstellerisch gefahren Kilometer und schon haben Sie den Betrag, den Sie als Fahrtkosten in Ihrer steuerlichen Gewinnermittlung absetzen können. Das ist viel Aufwand und rechnet sich in der Regel auch nur bei neueren hochpreisigen Fahrzeugen oder und wenn Sie hohe  Reparatur- und oder Unfallkosten hatten.

Einen Vordruck für diese Methode gibt es hier : Tatsächlicher Kostennachweis

Mit viel weniger Aufwand ist die zweite Methode verbunden.

2. Der Pauschale Ansatz der Kosten:

Dafür wird ein pauschaler Kilometersatz von 0,30 € pro tatsächlich gefahrenem Kilometer angesetzt (nicht wie bei Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte pro Entfernungskilometer) , d.h. Sie multiplizieren die Anzahl der betrieblich gefahrenen Kilometer mit 0,30 €  und schon haben Sie deren Wert, der steuerlich abzugsfähig ist. Dies rechnet sich insbesondere bei Fahrzeugen, die bereits abgeschrieben also älter als 6 Jahre sind.  Für die Aufzeichnung der schriftstellerisch gefahrenen Kilometer reicht eine einfache handschriftliche Tabelle aus. .

Einen Mustervordruck finden Sie auf meiner Homepage: Fahrtenliste

Darin sind auch Spalten zur Erfassung der Uhrzeit für Abfahrt und Rückkehr von und zu Ihrer Schriftsteller-Klause oder Ihrer Wohnung enthalten; damit haben Sie gleich noch eine Grundlage für die Berechnung der abzugsfähigen Tagessätze für Verpflegung. Dies sind 12,00 € wenn Sie an einem Tag mehr als 8 Stunden von Ihrem Schreibbüro oder Ihrer Wohnung abwesend waren. Wenn Sie einmal auswärts übernachtet haben, können Sie für jeden Tag 12,00 € pro Tag absetzen, auch wenn Sie weniger als 8 Stunden am jeweiligen Tag unterwegs waren. Bei zwei Übernachtungen sind es Sie für den An- und Abreisetag jeweils 12,00 € und für den Tag dazwischen 24,00 €. Dazu kommen noch die Kosten der Übernachtung laut Hotelrechnung.